Wie Integration gelingen kann

Am 16. November 2017 lud unser Verein zu einer Podiumsdiskussion in die Pfarre Kordon ein. Integration als Gegenmodell zu Abschottung und Radikalisierung darzustellen, war das Ziel der Veranstaltung.

Auf dem Podium nahmen mit Jadranka Stepanovic und Ali Jajic zwei Menschen statt, die in den 90er Jahren als Flüchtlinge nach Österreich kamen und die in unserer Gesellschaft privat und beruflich Fuß gefasst haben. Sie nahmen Ruqaia Alobaidi in die Mitte, die ungleich kürzer in Österreich ist und dennoch bereits wichtige Schritte auf dem Weg der Integration zurück gelegt hat.

 

Angeregt von zahlreichen Fragen der Zuhörerinnen und Zuhörer und moderiert von Michael Andrae vom Verein Willkomen Mensch in Wien West, kam es zu einer angeregten Diskussion über Schwierigkeiten des Anfangs, über Fragen der Identität und über Zukunftsperspektiven. Wir freuen uns, dass diese Veranstaltung viel Interesse gefunden hat!

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Vier Familien – vier Momentaufnahmen

Die von uns begleiteten Familien leben nun schon einige Zeit in Österreich. Ging es zunächst darum ein Dach über dem Kopf zu finden, so stehen jetzt neue Herausforderungen an: Es geht darum, hier in Österreich anzukommen. Wie unterschiedlich dieser Prozess aussehen kann, versuchen wir mit einem kurzen Blick auf die aktuelle Situation von vier Familien zu verdeutlichen.

Was will man mehr?

Freiheit, ein Dach über dem Kopf und die Hilfe des Vereins zur Bewältigung der Integration. Was will man mehr?

Natürlich: diese Dinge sind wesentliche Bausteine für ein Leben nach Verfolgung und Bedrohung. Unsere ägyptische Familie muss sich nicht mehr fürchten, mit dem Leben bedroht zu werden, wenn sie ihre Meinung frei äußert. Der Vater kann kostenlos einen Deutschkurs besuchen und lernt für den Führerschein. Die Mutter ist ebenso am Deutsch lernen – wesentlich für die Arbeit einer Journalistin. Und der Verein Willkommen Mensch in Wien-West setzt alles daran, dass die beiden einen Job bekommen und ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen können.

Und dennoch: ein vertrautes Leben in der Heimat ist verloren gegangen und es wird bewusst: es gibt kein Zurück mehr. Man beginnt bei allem von Neuen: Sprache, Kultur, Wohnung, Beruf. Die alten Gewohnheiten und Jobs sind dahin. Die Sprache ist schwer zu erlernen, die Kultur noch fremd und die Gewohnheiten ganz anders.

Wird man das Vertraute und Geschaffene jemals wieder erreichen? Ist es Zeit, sich von seinen Idealvorstellungen zu trennen? Und was ist vor allem mit der eigenen Mutter, die man gerne nach Österreich nachgeholt hätte, was aber ein unmögliches Unterfangen ist und am meisten schmerzt. Und wie erklärt man es den beiden Kindern, dass sie ihre Oma, die sich täglich um sie kümmerte, nie mehr wiedersehen können?

Viele Wunden sind nach außen nicht sichtbar, den Familien „muss es ja nur gutgehen bei uns!“ Sicher – aber vieles liegt eben tiefer als man sieht.

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Freiheit ist nicht nur ein Wort

Freiheit das sind Worte und Taten – heißt es schon in einem Lied. Unsere afghanische Familie am Kordon zeigt diese Worte und Taten jeden Tag in Österreich: weg mit dem Kopftuch, so schnell wie möglich Deutsch lernen, der Tochter ein Leben bieten, das in Afghanistan nicht möglich gewesen wäre.

Es fällt leichter, sich zu integrieren, wenn man genau das findet, was man gesucht hat, und genau das hier nicht mehr findet, vor dem man weggelaufen ist: Unterdrückung, Drohungen, um sein Leben fürchten durch die Taliban. In einem Beitrag der ORF-Serie „Heimat Fremde Heimat“ erzählte er davon, aber auch von seiner Tätigkeit als Schneider und von seiner Vision im IT Bereich Fuß zu fassen. Sie geht ihrer Leidenschaft nach: Dem Traum als Friseurin tätig zu werden, sobald die Familie dauerhaft bleiben darf. Einstweilen wird an der eigenen Familie geübt – die Frisur der sechsjährigen Tochter ist flott – aber durch das viele Üben doch schon recht kurz… Man merkt, es wird Zeit, dass sie ihren Beruf ausüben kann.

Es ist schön für uns als Verein zu sehen: unsere Familie liebt die Gegenwart hier und setzt alles daran, dass dieses ersehnte Leben auch dauerhaft möglich wird. Und wir sollten uns wieder einmal in Erinnerung rufen, wie unglaublich wertvoll unsere Freiheit ist.

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Die Heimat findet sich in der Werkstätte

Eine Bombe im eigenen Tischlereibetrieb war ausschlaggebend für die Flucht aus Syrien. Zu Fuß macht sich der verletzte Vater von mittlerweile 3 Kindern auf den Weg nach Wien und holt später erfolgreich seine Frau und Kinder nach Österreich nach. Ein Leben in Sicherheit beginnt, aber gleichzeitig auch ein mühsamer Weg der medizinischen Nach-Versorgung als Bombenopfer.

Gut, dass es da Ablenkung in einer Garage eines Nachbarhauses gibt, dessen Besitzer den Tischler fast wortlos einlädt mit ihm zu zimmern. Von da an verbringen die Beiden tatsächlich viel Zeit in der Werkstätte und haben dort auch die neuen Bänke des Hütteldorfer Kindergarten getischlert. Und: der Familienvater darf für die Wirtschaftskammer Wien drei Tischlerkurse für Asylwerber leiten – wir gratulieren!

So verleiht die Werkstätte das Gefühl der „alten Heimat“, denn Holzarbeiten ist und bleibt das, was ihn glücklich macht. Jetzt muss nur noch ein dauerhafter beruflicher Platz fürs Tischlern gefunden werden…

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Anstrengungen, die sich lohnen

Die Rechtsanwältin, die im Irak Frauenrechte vertrat und aufgrund dessen schon zur Zielscheibe wurde, ist hier auf einem Erfolgskurs. Die Mutter von 2 Kindern lernt unermüdlich in der Unibibliothek und möchte die Aufnahme für den Unilehrgang für Dolmetsch schaffen.

Dazu muss natürlich noch fleißig Deutsch gelernt werden – und das tun auch die Kinder. Gerade einmal ein Jahr in Österreich, gelingt es ihnen, die 1. und 4. Klasse Volksschule – dem Alter entsprechend  – zu besuchen und zu bestehen!

Aber nicht nur die Anstrengungen sind es, die sich bezahlt machen. Das Ziel, bald durch einen Job unabhängig zu werden, macht auch umtriebig. So knüpft die Rechtsanwältin Kontakte und sieht sich selbst um – mit Erfolg: bereits jetzt bahnt sich ein Job in der Rechtsabteilung eines internationalen Unternehmens in Wien an.

Es ist manchmal auch erstaunlich, wie rasch wieder „Boden unter den Füßen“ gefunden werden kann!

 

 

Syrisches Essen – ein voller Erfolg!

 

Beim heutigen Mittagessen, zubereitet von den syrischen Familien, die unser Verein betreut, fanden sich zahlreiche Unterstützer und Freunde ein. Wir bestaunten die Vielfalt und auch die Menge der salzigen und süßen Köstlichkeiten, die es zu genießen gab. Vielen Dank an alle, die zum Gelingen dieses Festes beigetragen haben! Und ein ganz besonderes Dankeschön den Köchinnen und Köchen!!